https://kleeberg-valuation.de/team/sebastian-schoeffel/
https://kleeberg-valuation.de/team/christian-zwirner/
https://kleeberg-valuation.de/team/karl-petersen/

News

„Anleiheschock“ am 18. August 2026 verdeutlicht die Volatilität des aktuellen Zinsumfelds

Am 18. August 2026 führten Turbulenzen an den Anleihemärkten zu steigenden Renditen von deutschen und internationalen Staatsanleihen

Die internationalen Anleihemärkte standen am 18. August 2026 erheblich unter Druck. Vor allem bei langlaufenden Staatsanleihen wie die zehnjährige Bundesanleihe kam es zu Kurseinbrüchen, wodurch die Anleihen-Renditen deutlich anstiegen. Neben der Sorge vor einem weiter andauernden Iran-Krieg und weiter steigenden Ölpreisen verstärkten Inflationsängste der Anleger den Rücksetzer auf dem Anleihemarkt. In der Unternehmensbewertung kann der Renditeanstieg bei Staatsanleihen über den kapitalmarktorientiert abgeleiteten risikolosen Basiszinssatz zu höheren Kapitalisierungszinssätzen und ceteris paribus zu niedrigeren Unternehmenswerten führen.

Am 18. August 2026 standen die internationalen Anleihemärkte unter erheblichem Verkaufsdruck. Vor allem langlaufende Staatsanleihen verloren an Wert, und die Anleihen-Renditen stiegen deutlich. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg zeitweise auf rund 3,2 % und die Rendite dreißigjähriger Bundesanleihen stieg auf etwa 3,8 %. Die Renditen der vorstehenden Bundesanleihen erreichten damit den höchsten Stand seit dem Jahr 2011. Auch die Renditen vergleichbarer US-Papiere zeigten ein Mehrjahreshoch.

Auslöser war insbesondere die nachlassende Hoffnung auf eine schnelle politische Lösung des Iran-Konflikts. Die Sorge vor einer länger anhaltenden Störung der Energieversorgung, insbesondere im Umfeld der Straße von Hormus, trieb den Ölpreis auf über 90 US-Dollar je Barrel. Die daraus resultierenden Inflationsrisiken führten zu einer Neubewertung des künftigen geldpolitischen Kurses der führenden westlichen Notenbanken: Anleger rechnen damit, dass die Zentralbanken Zinssenkungen verschieben oder bei anhaltendem Preisdruck sogar einen restriktiveren Kurs verfolgen müssen.

Die Bewegung wurde durch weitere strukturelle Faktoren verstärkt. Hohe Defizite in den Staatshaushalten und umfangreiche Emissionsvolumina erhöhen das Angebot an Staatsanleihen. Gleichzeitig verlangen Investoren angesichts der Unsicherheit über Inflation, Geldpolitik und Bonität der Staatskassen eine höhere Laufzeitprämie. Langfristige Anleihen wurden damit aus Sicht der Anleger nicht mehr ausreichend für das übernommene Zins- und Inflationsrisiko vergütet. Der Verkauf langlaufender Papiere führte zu fallenden Kursen und steigenden Renditen.

Der Renditeanstieg konzentrierte sich insbesondere auf das lange Ende der Zinsstrukturkurve. Während kurzfristige Renditen stärker von den erwarteten Leitzinsentscheidungen der Zentralbanken geprägt werden, spiegeln langfristige Renditen zusätzlich Inflationserwartungen, die Laufzeitprämie sowie die Einschätzung der öffentlichen Finanzen wider. Die Bewegung deutet daher auf eine erhöhte Vergütung hin, die Anleger für das Halten langfristiger Anleihen fordern.

Die Auswirkungen des aktuellen Anstiegs der Renditen von Staatsanleihen beschränken sich nicht auf staatliche Finanzierungsmöglichkeiten. Die Renditen von Staatsanleihen gelten als „risikolos“ und dienen daher als wichtige Referenzgröße für die Preisbildung am Kapitalmarkt. Ein höheres risikoloses Zinsniveau kann auch die Renditen neu emittierter Unternehmensanleihen und die Konditionen langfristiger Bankfinanzierungen erhöhen. Zusätzlich können sich die Credit Spreads ausweiten, sofern Anleger parallel eine Verschlechterung der konjunkturellen Aussichten oder eine höhere Ausfallwahrscheinlichkeit einzelner Unternehmen erwarten.

Für Bewertung von Unternehmen ist der Anleiheschock vor allem hinsichtlich der Höhe der Kapitalkosten relevant. So wird der bewertungsrelevante risikolose Basiszinssatz nach IDW S 1 mithilfe der Svensson-Methode geschätzt. Die Svensson-Methode ermittelt den risikolosen Basiszinssatz anhand laufzeitabhängiger Zerobond-Zinssätze, die von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht werden.

Steigt der Basiszinssatz, erhöht sich bei unverändertem Risikozuschlag der Kapitalisierungszinssatz. Die mit dem angestiegenen Kapitalisierungszinssatz abgezinsten zukünftigen Überschüsse haben dann ceteris paribus einen niedrigeren Barwert, sodass die Unternehmenswerte sinken.

Allerdings darf aus dem Renditeanstieg nicht automatisch auf einen höheren unternehmensspezifischen Risikozuschlag geschlossen werden. Der Anleiheschock betrifft zunächst den risikolosen kapitalmarktorientiert abgeleiteten Basiszinssatz und gegebenenfalls den Credit Spread. Veränderungen der Marktrisikoprämie, der Betafaktoren oder der operativen Unternehmensrisiken sind gesondert zu analysieren.

Für die praktische Bewertung ist zudem zwischen einer kurzfristigen Marktreaktion und einer nachhaltigen Veränderung des Zinsniveaus zu unterscheiden. Maßgeblich ist grundsätzlich der am Bewertungsstichtag geltende risikolose Basiszinssatz nach IDW S 1.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Advisory Valuation

Basiszinssatz nach IDW S 1 bleibt zum 01.08.2026 gerundet bei 3,50 %

Der Basiszinssatz nach IDW S 1 stieg im Februar 2026 nach einem viermonatigen unveränderten Niveau von 3,25 % gerundet auf 3,50 % und verharrt seitdem auf diesem Niveau. Vor dem Zinsanstieg auf 3,50 % wurde ein Wert von 3,50 % zuletzt im September 2011, d. h. vor rd. 15...
Advisory Valuation

Basiszinssatz

Basiszinssätze nach IDW S 1 i. d. F. 2008 Die folgende Tabelle stellt die Basiszinssätze für Unternehmens­bewertungen nach IDW S 1 i. d. F. 2008 bzw. IDW RS HFA 10 für Bewertungsstichtage, beginnend ab 01.11.2017, dar. Die Zinssätze wurden gemäß Vorgaben des IDW (vgl. WPH Edition, Bewertung und Transaktionsberatung,...
Advisory Valuation

FED legt zum fünften Mal in Folge eine Zinspause ein

Nach mehreren Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte 2025 legt die FED nun zum fünften Mal in Folge eine Zinspause ein. Die FED begründet die Zinspause mit ungewissen Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten auf die US-Wirtschaft und mit der Selbstregulierung der Finanzmärkte. Der Leitzins der FED bleibt daher unverändert zwischen 3,50 % und 3,75 %. Das...
Advisory Valuation

EZB belässt Leitzins weiterhin bei 2,25 %

Die EZB hatte ihren Leitzins von Juli 2022 bis Oktober 2023 aufgrund hoher Inflationsraten nach Beginn des Ukraine-Kriegs deutlich auf 4,00 % (Einlagenzins) angehoben. Im Anschluss hat die EZB den Leitzins acht Mal in Folge auf 2,00 % gesenkt. Nach einer Phase stabiler Inflationsraten und sieben Zinspausen in Folge...