https://kleeberg-valuation.de/en/team/sebastian-schoffel/
https://kleeberg-valuation.de/team/sebastian-schoeffel/
https://kleeberg-valuation.de/en/team/karl-petersen/
https://kleeberg-valuation.de/en/team/gregor-zimny/
https://kleeberg-valuation.de/en/team/christian-zwirner/
https://kleeberg-valuation.de/team/christian-zwirner/
https://kleeberg-valuation.de/team/karl-petersen/

News

Bagatellgrenze in der Unternehmensbewertung

Die rechtliche Bedeutung von Schätzungsungenauigkeiten bei einer Unternehmensbewertung

Eine Unternehmensbewertung stützt sich naturgemäß auf zahlreiche Prognosen, Schätzungen und methodische Einzelentscheidungen. Nur so kann die zukünftige Ertragskraft eines Unternehmens bestimmt werden. Dies führt in der Folge jedoch dazu, dass es den einen ,,richtigen“ Unternehmenswert nicht gibt. Je nach Schätzungsgrundlage können sich im Ergebnis mehr oder weniger große Abweichungen ergeben. Das OLG Düsseldorf legte in seiner Entscheidung vom 20.04.2023 eine Bagatellgrenze fest: Abweichungen innerhalb eines 5 %-Rahmens können unter bestimmten Voraussetzungen als geringfügig akzeptiert werden.

Das OLG Düsseldorf (26 W 8/20) hat sich in einem gerichtlichen Spruchverfahren mit der Bagatellgrenze in einer Unternehmensbewertung befasst. Anlass der Bewertung war ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen den beiden Unternehmen der Antragssteller und der Antragsgegner. Aus einem solchen Vertrag ergibt sich eine gesetzliche Kompensationsleistung für die außenstehenden Aktionäre. Um die Höhe der Entschädigung zu bestimmen, bedarf es einer Unternehmensbewertung. Da die Antragssteller die bemessene Abfindung als zu gering empfanden, strengten sie ein Spruchverfahren an, um die Kompensationsleistung gerichtlich überprüfen zu lassen.

Grundsätzlich muss die Entschädigung den „wahren“ Wert des Anteilseigentums kompensieren. Dies ergibt sich bereits aus dem verfassungsrechtlichen Eigentumsschutz aus Art. 12 I GG. Jedoch ist eine Unternehmensbewertung stets zukunftsorientiert. Es muss deshalb beachtet werden, dass es aufgrund von Schätzungen, mathematischen Annahmen und Zukunftsprognosen nicht den einen richtigen Unternehmenswert gibt. Um die zukünftige Ertragskraft eines Unternehmens zu bewerten, muss notwendigerweise auf unsichere Annahmen über künftige Entwicklungen zurückgegriffen werden.

Deshalb ist es lediglich notwendig, dass die Bewertungsmethode und die zugrunde gelegten Annahmen wirtschaftlich-systematischen Grundsätzen entsprechen. Die Verfahrensbeteiligten müssen dann auch ggf. eine Bandbreite von unterschiedlichen Werten als angemessene Abfindung akzeptieren.

Das OLG Frankfurt (21 W 26/13) urteilte bereits 2015, dass Abweichungen von 1-2 % ohne Weiteres toleriert werden können und keinerlei gerichtlicher Überprüfung bedürfen.

Diese Bagatellgrenze hob das OLG Düsseldorf an. Im konkreten Fall wurde eine Diskrepanz von bis zu 5 % als geringfügig akzeptiert, da die einzelfallbezogenen Abwägungen der Gesamtumstände im Rahmen einer Angemessenheitsprüfung nicht im Weg standen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die zugrunde gelegten Prognosen wirtschaftlichen und rechtlichen Bewertungsgrundsätzen entsprechen. Es gab deshalb keinen Bedarf, die Kompensationsleistung anzupassen.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Diese News könnten Sie auch interessieren

Advisory Valuation

EZB lässt den Leitzins unverändert bei 4,25 %

Aufgrund der massiv gestiegenen Inflationsraten im Post-Corona-Zeitraum und wegen des Ukraine-Kriegs hat die EZB zwischen Juli 2022 und Oktober 2023 zehnmal in Folge eine Anhebung der Leitzinsen vorgenommen. Aufgrund der rückläufigen Inflation im Jahr 2024 erfolgte im Juni 2024 die seit langer Zeit erste Senkung des Leitzinses auf 4,25 %. In der jüngsten...
Advisory Valuation

Neufassung des IDW S 2 – Anforderung an Insolvenzpläne

Im Hinblick auf die durch das SanInsFoG geänderte Rechtslage wurden Änderungen des Standards erforderlich. Dabei wurden Klarstellungen zum Obstruktionsverbot sowie zum Debt-Equity-Swap vorgenommen. Das IDW veröffentlicht regelmäßig Aktualisierungen zu den bisher veröffentlichten IDW-Standards und passt diese an rechtliche Neuerungen und angepasste Rahmenbedingungen an. In der neusten Fassung vom 20.05.2024...
Tax Audit Advisory Valuation

Deutsche Bundesbank senkt den Basiszins nach § 247 BGB auf 3,37 % zum 01.07.2024

Die Deutsche Bundesbank hat den Basiszins gem. § 247 Abs. 1 BGB nach den deutlichen Erhöhungen im Jahr 2023 und zum 01.01.2024 nun erstmals seit zwei Jahren wieder um 0,25 %-Punkte von 3,62 % auf nun 3,37 % zum 01.07.2024 gesenkt. Der Basiszinssatz wirkt sich unter anderem auf die Höhe der Verzugszinsen nach § 288 BGB aus und kann...
Audit Advisory Valuation

Pensionsrückstellung – Anwendung aktuarieller Vereinfachungsverfahren

Die IDW Arbeitsgruppe „Altersversorgungsverpflichtungen im HGB-Abschluss“ hat sich aufgrund von Nachfragen aus der Praxis erneut mit dem Ergebnisbericht des Fachausschusses Altersversorgung der Deutschen Aktuarvereinigung e. V. (DAV) vom 26.04.2022 zur aktuariellen Umsetzung des IDW Rechnungslegungshinweises „Handelsrechtliche Bewertung von Rückstellungen für Altersversorgungsverpflichtungen aus rückgedeckten Direktzusagen (IDW RH FAB 1.021)“ beschäftigt. Die IDW Arbeitsgruppe gibt...