Der bewertungsrelevante Basiszinssatz nach IDW S 1 erhöht sich zum 01.02.2026 gerundet auf 3,50 %. Zuvor hatte der Basiszinssatz seit dem 01.10.2025 unverändert auf einem Niveau von 3,25 % gelegen. Vor dem aktuellen Zinsanstieg wurde ein Wert von 3,50 % zuletzt im September 2011, d. h. vor über 14 Jahren erreicht. Der ungerundete Basiszinssatz steigt von 3,29 % (per 01.01.2026) auf 3,39 % zum 01.02.2026.
Der Basiszinssatz nach IDW S 1 spiegelt eine risikofreie und fristadäquate Alternativanlage zur Investition in das zu bewertende Unternehmen wider. In der Unternehmensbewertung erfolgt häufig die Annahme einer zeitlich unbegrenzten Lebensdauer des zu bewertenden Unternehmens. Der Basiszinssatz stellt somit die Rendite einer zeitlich nicht begrenzten risikofreien Kapitalmarktanlage dar. In Deutschland erfüllen Anleihen der öffentlichen Hand (Bundesanleihen) weitestgehend die Forderung nach Risikofreiheit. Der Ausgangspunkt für die Bestimmung des „risikolosen“ Basiszinssatzes nach IDW S 1 ist daher die Zinsstrukturkurve für Staatsanleihen. Zur Ableitung des Basiszinssatzes hat sich in der Praxis die Svensson-Methode etabliert.
Der Fachausschuss für Unternehmensbewertung und Betriebswirtschaft (FAUB) des IDW hat aufgrund der über mehrere Jahre anhaltenden Niedrigzinsphase eine Empfehlung für die Vorgehensweise bei der Rundung des Basiszinssatzes ausgesprochen. Sofern dieser unter einem Prozentpunkt liegt, ist der für die Unternehmensbewertung relevante Basiszinssatz auf 1/10-Prozentpunkte zu runden. Bei Zinssätzen oberhalb von 1,00 % ist der Zinssatz weiterhin auf 1/4-Prozentpunkte zu runden. Zum 01.02.2026 beträgt der Basiszinssatz ungerundet 3,39 % (per 01.01.2026: 3,29 %). Daher ist der Basiszinssatz zum 01.02.2026 auf 1/4-Prozentpunkte zu runden. Im Vergleich zum Vormonat ergibt sich ungerundet ein Anstieg, der sich auch im gerundeten Wert niederschlägt. Der Basiszinssatz beträgt zum 01.02.2026 gerundet 3,50 %.
Der Basiszinssatz für Unternehmensbewertungen nach IDW S 1 i. d. F. von 2008 wies in den 2010er Jahren nahezu durchgehend eine sinkende Tendenz auf. Im Jahr 2020 nahm dieser sogar erstmals negative Werte an. So sank der Basiszinssatz ausgehend von einem Zinssatz i. H. v. 4,50 % Mitte des Jahres 2009 bis zum Jahreswechsel 2020/2021 auf -0,20 %. Ursächlich hierfür war die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), verstärkt durch die Corona-Krise ab 2020.
Im Zeitraum vom Beginn des Jahres 2021 bis zum Beginn des Jahres 2024 vervielfachte sich der bewertungsrelevante Basiszinssatz. Dieser betrug zum 01.01.2021 noch -0,20 % und erreichte zum 01.01.2024 mit 2,75 % den höchsten Wert seit April 2014. Hintergrund waren massiv gestiegene Inflationsraten und das daraufhin höhere Zinsniveau durch Leitzinserhöhungen der Zentralbanken (insbesondere der EZB). Hinzu kamen die Verwerfungen durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Zum 01.02.2024 erfolgte eine Kehrtwende und der gerundete Basiszinssatz stagnierte bis zum 01.04.2025 bei gerundet 2,50 %. Das Jahr 2024 war geprägt durch ein rückläufiges Inflationsgeschehen und durch die ab Juni 2024 von der EZB vorgenommenen Zinssenkungen. In dem Basiszinssatz nach IDW S 1 haben sich die vorstehenden Entwicklungen noch nicht niedergeschlagen.
Das Anfang März 2025 angekündigte Finanzpaket führte im Laufe des Monats März 2025 zu einem Anstieg der Zinsen für deutsche Staatsanleihen. Die aktuelle Bundesregierung plant in den kommenden Jahren in großem Umfang neue Anleihen auszugeben. Das größere Angebot an deutschen Staatsanleihen dürfte es schwieriger machen, zu den aktuell gebotenen Zinssätzen Käufer zu finden. Der Bund als Schuldner muss daher einen höheren Risikoaufschlag bieten, damit Investoren das größere Angebot von deutschen Staatsanleihen in Anspruch nehmen.
Der seit dem Jahr 2022 erfolgte starke Anstieg des risikolosen Basiszinssatzes hat den FAUB im September 2025 veranlasst, seine Empfehlung für die Marktrisikoprämie anzupassen. In seiner Sitzung am 16.09.2025 hat der FAUB beschlossen, seine Bandbreitenempfehlung für die Marktrisikoprämie vor persönlichen Steuern auf 5,25 % bis 6,75 % (4,50 % bis 5,75 % nach persönlichen Steuern) anzupassen und damit die Bandbreite abzusenken. Die bisherige Bandbreite aus dem Jahr 2019 betrug 6,00 % bis 8,00 % vor persönlichen Steuern (5,00 % bis 6,50 % nach persönlichen Steuern) (vgl. Newsbeitrag vom 23.09.2025). Die Bandbreitenempfehlung aus dem Jahr 2019 bestand trotz der Corona-Pandemie fort. Auch in den Auswirkungen des im Jahr 2022 ausgebrochenen Ukraine-Krieges sah der FAUB des IDW zunächst keinen Anlass, die Bandbreitenempfehlung anzupassen. Die Reduktion der Bandbreitenempfehlung erfolgte dann im September 2025.
Zum 01.02.2026 betragen die standardisierten Eigenkapitalkosten vor persönlichen Steuern bei Ansatz der seit September 2025 geltenden Mittelwertempfehlung des IDW i. H. v. 6,00 % (vorher: 7,00 %) bei einem Betafaktor von 1,0 und einem Basiszinssatz von gerundet 3,50 % somit 9,50 % und entsprechen wieder genau dem Vorjahreswert vom Februar 2025 i. H. v. 9,50 %. Die standardisierten Eigenkapitalkosten i. H. v. 9,50 % entsprechen einem Faktor von rund 10,5 und liegen (trotz des gestiegenen Basiszinssatzes) aufgrund der gesenkten Marktrisikoprämie noch immer unter den standardisierten Eigenkapitalkosten von Anfang September 2025 i. H. v. 10,00 % (Faktor: 10,0). Somit erreichen die ermittelten Unternehmenswerte aufgrund der um einen Prozentpunkt gesenkten Marktrisikoprämie und des um einen Prozentpunkt angestiegenen Basiszinssatzes bei ansonsten unveränderten bewertungsrelevanten Faktoren zum 01.02.2026 aktuell wieder das gleiche Niveau wie zu Beginn des Jahres 2025.
Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich der Basiszinssatz im Jahr 2026 weiter entwickeln wird. Sollte der ungerundete Basiszinssatz den bisherigen Aufwärtstrend fortsetzen, würde der Abwertungsdruck, der durch die im Vergleich zu den Jahren bis 2021 erhöhten Diskontierungssätze entsteht, wieder zunehmen. Entscheidender Einfluss kommt hierbei auch dem Inflationsgeschehen zu. Die Inflationsrate ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts von 3,9 % im Dezember 2023 auf voraussichtlich 2,1 % im Januar 2026 zurückgegangen. Im zweiten Halbjahr 2025 war jedoch eine leichte Aufwärtstendenz bei der Inflation zu erkennen. So betrug die Inflation im Juli 2025 noch 2,0 %, stieg bis Oktober 2025 auf 2,3 % an und verharrte auch im November 2025 auf diesem Wert, bevor sie im Dezember leicht auf 2,2 % sank. Gleichzeitig spiegeln sich die erfolgten Zinssenkungen der EZB seit Mitte des Jahres 2024 noch nicht unmittelbar im bewertungsrelevanten Basiszinssatz wider. Der FAUB hat durch die Senkung der Bandbreitenempfehlung zur Marktrisikoprämie in jedem Fall den Abwertungsdruck gemindert.
Insofern ist genau zu beobachten, wie lange der Basiszinssatz auf dem aktuellen Niveau verharren wird. Derzeit ist eine seit März 2025 anhaltende Aufwärtsbewegung (im gerundeten und ungerundeten Basiszinssatz) zu beobachten. In der Folge könnte sich bei einem weiter steigenden Basiszinssatz die Situation hinsichtlich des Abwertungspotenzials trotz der gesenkten Marktrisikoprämie verstärken. Insgesamt bleiben die Entwicklung der EZB-Zinsen sowie der Inflation im Verlauf des Jahres 2026 abzuwarten; beide Sachverhalte dürften auch Auswirkungen auf die weitere Entwicklung des Basiszinssatzes im Jahr 2026 haben.